Mädchen am Sonntag

Januar 1, 1970

Auszug zu ausgewählten Kritiken:

Kahl vermag Einblicke von entwaffnender und anrührender Offenheit zu geben, ein Klima der Intimität herzustellen, voll visueller Zärtlichkeit. Er filmt für ein Kino, das Gefahr, Abenteuer, Schönheit sein will, das Bilder voller Wildheit und Verführungskraft schafft und mit dem Charisma von Stars wieder etwas anzufangen weiß. Soll unser Kino beim Publikum überleben, braucht es mehr Filme wie diesen. Hervorragend!
Rüdiger Suchsland/ Münchner Merkur

In dieser Arbeitsweise liegt der Geschmack von Nouvelle Vague begründet, den „Mädchen am Sonntag“ hat: Wie improvisiert wirkt der Film, wie an mehreren Wochenenden schnell hingeworfen. Damit hat er eine ganz ähnliche Ausstrahlung wie die von ihm portraitierten Frauen. Der eigentliche Reichtum des deutschen Films liegt in solchen Darstellern, zu denen allerdings viel zu selten die passenden Geschichten erzählt werden. So gesehen war ein Film wie der von RP Kahl längst überfällig.
Martina Knoben/ Süddeutsche Zeitung

Interessant ist der Film durch die sehr unterschiedlichen Charaktere seiner Protagonistinnen; anrührend wird er durch die unaufdringlich sensible Art, in welcher der Regisseur den jungen Frauen begegnet. Der Regisseur ist nicht zu sehen, aber er zeigt sich indirekt in seiner Art, die Frauen als einzigartige Begabungen und sich selbst als Bewunderer und Cineast zu zeigen. Was haben diese Frauen doch für ein Glück gehabt!
Anke Westphal/ Berliner Zeitung

RP Kahl portraitiert in Mädchen am Sonntag vier junge Schauspielerinnen mit einer unvergleichlichen Lässigkeit und Schönheit der Zeichnung. Nähert sich den vier Aktricen, schafft ihnen Raum, bringt sie zur Darstellung, lässt sie aufblühen. Exemplarisch führt er vor Augen, was jungen deutschen Filmmachern allzu oft fehlt: Offenheit des Blicks, Frische der Wahrnehmung, leichthändiges Spiel, hingebungsvolle Präzision.
Rainer Gansera/ EPD-Film

Die netten Jahre sind vorbei: Wir brauchen mehr Mädchen am Sonntag. Rolf Peter Kahl, der lvier Schauspielerinnen einfach erzählen lässt und sich auf eine Weise an ihrer Gegenwart erfreut, daß man sich fragt, warum man die vier im Kino nicht öfter so sieht. Der Film ist geradezu französisch in seiner Art, einen liebenden Blick auf die Frauen zu werfen.
Michael Althen/ Frankfurter Allgemeine Zeitung

Der Regisseur mag seine Darstellerinnen! Das sieht der Zuschauer gleich in den ersten Einstellungen des Films. Aber viel wichtiger ist, dass es auch die vier jungen Schauspielerinnen selber gespürt haben. Mit geringstem Budget, schnell und dreckig mit einer Digitalkamera gedreht, ist der Film ein schöner Beweis dafür, dass das Kino inzwischen nicht mehr unbedingt die teuerste Kunstform sein muss.
Wilfried Hippen/ TAZ

Schauspielkunst hat viele Gesichter. Vier der interessantesten stellt Nachwuchsregisseur Rolf Peter Kahl in seinem feinsinnigen Interviewfilm vor. Dass der gebürtige Cottbusser Kahl gerade diese Anti-Stars befragt, die sich bewusst vom Ferres/Ferch-Mainstream absetzen, verleiht seinem Projekt grundsätzlichen Reiz. Dass er die Interviews auch noch originell umzusetzen wusste und die Schauspielerinnen in die Gestaltung mit einbezog, macht den Film zu einer kleinen Perle.
Peter Luley/ Spiegel online

Vier Schauspielerinnen, vier Orte, vier Jahreszeiten, vier Episoden. Im improvisationsnahen Stil der 99 Euro Films hat RP Kahl ein Low-Budget-Experiment gestartet, vage angelehnt an den frühen deutschen Filmklassiker „Menschen am Sonntag“. Ein Experiment, allerdings ein glänzend besetztes: Die vier Schauspielerinnen, die sich auf das Spiel mit der Kamera eingelassen haben, sind im deutschen Film der letzten Jahre gefeiert worden – und im Theater dazu.
Christina Tilmann/ Tagesspiegel

Die spielerischen Akzente, die kleinen inszenierten Gags, die die Überleitungen zwischen den Porträts herstellen, wirken improvisiert und der gemeinsamen Intuition entsprungen. Am Ende von Mädchen am Sonntag zeigt Kahl einige der Orte, an denen er die Gespräche gedreht hat, als nun verlassene Szenerien: Als wollte Kahl sie nicht mehr missen, diese jungen Frauen, die der Traumlandschaft Kino und seinem Film ihre Gesichter und Gesten geben. Die Mädchen sind einzigartig, ganz gewiss.
Lasse Ole Hempel/ Frankfurter Rundschau

Denn die wahre Qualität von „Mädchen am Sonntag“ besteht darin, dass er die Frauen ganz unbefangen zum Sprechen bringt. Sie erzählen von den großen Träumen des Anfangs, vom gelegentlichen Überdruss und von der ganz konkreten Furcht, einmal längere Zeit arbeitslos zu sein. Die Mischung aus Selbstzweifel und Sozialangst ist typisch für dieses verängstigte Land, weit über die hier porträtierte Sphäre hinaus.
Matthias Heine/ Die Welt

Diese vier schönen Mädchen sind zwar keine Sam-Fuller-Mädchen mit Knarre, aber auch absolut keine Mädchen in Uniform. Und schon weil dieser wunderbare Film über sie komplett ohne Budget gedreht ist, sind sie alle vier und RP Kahl nie etwas anderes als Superstars gewesen.
Tina Heldt & Uschi Diesl/ Junge Welt

Eine Generation von Mitte Mädchen, die den Konsum gleichzeitig verweigern und genießen können. Eine Berliner Spezialität gewissermaßen. Der Lebensstil, in Berlin selbst mit wenig Geld möglich, prägt auch den Geist. Es ist ein Geist, der Konsum und Freiheit zugleich predigt. Die Schauspielerinnen erlauben RP Kahl sehr intime Einblicke in ihre Seele. Die Bilder haben teils etwas sehr Mondänes, der Ton ist immer privat.
Dirk Krampitz/ Welt am Sonntag

RP Kahl findet eindringliche und poetische Bilder, die die innere und äußere Schönheit der Frauen feiern und zugleich die Magie des Kinos beschwören. Ganz absichtlich hält er sich nicht mit Äußerlichkeiten auf. Er wollte die Schauspielerinnen nicht in ihrem privaten Umfeld zeigen, um diesen Störfaktor auszuschließen. Und er braucht auch keine Filmausschnitte, die irgendetwas veranschaulichen und einordnen könnten, weil er den Blick nach innen wendet, nicht nach gazetten-bunten Oberflächlichkeiten sucht, sondern nach dem Wesenskern der Künstlerinnen. Diese Portraits sind voller Hingabe geschaffene Gemälde, die man staunend und bewegt betrachtet.
Sandra Vogell/ Programmkino.de

RP Kahl zum Beispiel, eine der Hauptfiguren der deutschen Independent-Szene, braucht keine Frau von einem anderen Stern zu bemühen. Denn er hat Laura Tonke, Nicolette Krebitz, Inga Birkenfeld und Katharina Schüttler. Mit sympathischer und entwaffnender Ehrlichkeit definieren die Vier private Größen wie beruflichen Erfolg als gekoppelt an Qualität, setzen Reichtum von künstlerischer Armut ab und erzählen von der Leidenschaft, die manchmal Leiden schafft.
Oliver Baumgarten/ Der Schnitt

Es geht um den Mythos des Kinos, die Suggestionskraft der Großaufnahme, aber auch um das Handwerk, das dem vorausgeht, was der Film in die Balance von Inszenierung und Dokument übersetzt. Schließlich ist RP Kahl nicht nur Schauspieler, sondern auch Regisseur und nicht zuletzt Mitinitiator der beiden „99euro-films“, deren Produktionsweise auch „Mädchen am Sonntag“ verpflichtet ist – mit einfachen Mitteln die Magie des Kinos zu beschwören.
Frank Arnold/ Süddeutsche Zeitung

RP Kahl hat 2005 für „Mädchen am Sonntag“ Godards Spruch, wonach man für einen Film nur ein Mädchen und eine Knarre brauche, für seinen Gebrauch adaptiert: Ihm genügen vier Mädchen und eine Kamera, um einen Film im Geiste der Nouvelle Vague zu drehen.
Malt/ Frankfurter Allgemeine Zeitung

Ein unabhängig produzierter Film über vier unabhängige Frauen, die – bei allen Unterschieden – eins verbindet: Sie lieben ihren Beruf und wollen ihn ausüben, aber nicht um den Preis der Selbstaufgabe. Laura Tonke, Nicolette Krebitz, Katharina Schüttler und Inga Birkenfeld gehen auf ihre ganz eigene Reise mit RP Kahl. Sie öffnen sich seinen Bildern wie seinen Fragen und finden zu einer Offenheit, die ihnen der Regisseur ermöglicht. Eine verspielt schonungslose Ehrlichkeit, mit der sie ihre Sehnsüchte und Zweifel nicht verhehlen, die nicht entlarvt, sondern – im Gegenteil – ihnen jenes Geheimnis, jene Magie belässt, die eine moderne Diva ausmacht.
Begründung Nachwuchsförderpreis beim Hessischen Filmpreis 2005

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