Tagebuch – Kinotour BEDWAYS – Tag 6

Juni 5, 2010


Natürlich ist die Laune am Freitag Morgen erst einmal schlecht, aber das geht wohl allen Kinoleuten an diesem Tag so, wenn sie die Zahlen vom Donnerstag sehen. Der Einbruch des Sommers nach einer langen Zeit des schlechten Wetters ist ein Killer für die Besucherzahlen. Da hilft auch nicht das schöne Hotel in Münster und der gute Abend am Vortag im Cinema, hier auch erste Fotos davon. Auf dem Weg nach Düsseldorf im Auto wird die Zeit genutzt für Mails, Facebook, Tourtagebuch, der Film fordert ganztätige Onlinebetreuung. Nun ist auch die Pressekonferenz in Moskau durch, die Wettbewerbsbeiträge sind offiziell bekannt gegeben. Mein Visa ist auch da, wenn die Filmkopie durch den Zoll kommt, dann kann das Festival kommen. Ich bin sehr gespannt und freue mich auf Moskau. Ich muss nur mein Russisch auffrischen für unsere Pressekonferenz. In Düsseldorf dann noch einmal Presseschau, die weiterhin super ausfällt. Spannend ist, dass die neuen Verrisse auf die tollen Kritiken referieren und sich schier unendlich aufregen. Hätte nicht gedacht, dass der Film so polarisiert. Das Bambi in Düsseldorf ist ein perfektes Kino für Bedways: Die 70er Jahre Architektur des Hauses mit dem beleuchteten Gang, der ins flache Kino führt. Wir haben uns für die digitale Projektion im dunklen linken Kino entschieden. Das passt sehr gut. Gewohnt sehr herzlich ist der Empfang durch Kalle Somnitz und sein Team. Da fühlt man sich sofort wohl, wir fachsimpeln über die Filme in Cannes, München und anderswo während des Filmes. Miriam ist heute auch wieder dabei, was toll für die Zuschauer ist, die offen und neugierg ihre Eindrücke schildern, ihre Fragen formulieren und Miriam für Ihre starke Darstellung heraus heben. Die Beschreibung im Biograph Düsseldorf kann ich nur unterschreiben: „Miriam Mayet, die mit ihrer ungeheuren Leinwandpräsenz dem Film eine besondere Intimität verleiht.“ Wir müssen leider das Gespräch unterbrechen, da wir noch nach Köln müssen. Wie versprochen, aber hier die Auflösung für einen Düsseldorfer Besucher: Die Szene, in der die Regisseurin die beiden nackten Schauspieler drapiert ist eine Adaption eines Textes von Roland Barthes „Fragmente einer Sprache der Liebe“. Und wenn wir gerade bei Erklärungen sind, hier noch ein Nachtrag zum Gespräch in Münster, wo es eine Frage zum Foucault-Zitat gab, auch hier gibt es im Biograph einen guten Text dazu: „Passenderweise schließt der Film mit einem Zitat von Michel Foucault aus seinem werk „Sexualität und Wahrheit“. Darin bezieht er sich auf einen Roman des französischen Aufklärers Diderot, „Les bijoux indiscrets“, in dem ein Sultan mit Hilfe eines magischen Ringes die Geschlechtsteile seiner Hofdamen zum Erzählen bringen kann, wenn er ihn auf sie richtet, und dadurch die Wahrheit über die hofinternen Beziehungen erfährt.“ Wir schaffen es nur knapp nach Köln in die Filmpalette. Man sollte nicht dem Navi glauben, sondern seiner Intuition. Aber eine kleine Ralley durch die nächtliche Stadt macht auch Spaß. Ich mag die Filmpalette sehr. Das kleine plüschige Kino, das früher als Pornokino genutzt wurde, hat einen ganz besonderen Charme und ist beliebt bei einem wirklich tollen Publikum. So ist es auch heute Abend, genau so, wie wir unsere „Zielgruppe“ eigentlich eingeschätzt hatten: Eher weiblich, jung, aber nicht zu jung, urban, hip, intellektuell. Ich fange langsam an, mich zu wiederholen im Filmgespräch, aber die Beschreibungen und Eindrücke der Zuschauer sind irgendwie ganz anders als sonst, das macht mich wieder wach und freut mich. Im Anschluss noch ein Interview. Andre läd uns noch ins King Georg ein. Das passt perfekt zum Ambiente der Filmpalette. Es entwickelt sich ein tolles bereicherndes Gespräch über die Musik, den Film, ein perfekter Abschluss. Als ich stöhne, weil an ich meine Weckzeit am nächsten Morgen denke, meinen die Filmemacherinnen Pia und Julia, dass dies wohl ein Luxusproblem sei, bei der großen Aufmerksamkeit für den Film, den Kritiken, dem großen Kinostart. Sie haben Recht. Ich freue mich auf das Bett im Hotel Chelsea, bekannt als das Rock’n Roll Hotel der Stadt, passt! Felix von unserer Agentur ZOOM hat den nächsten Tag perfekt vorbereitet, ich muss also nur noch ins Bett fallen, in vier Stunden klingelt der Wecker. Bis morgen!

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