Tourtagebuch Moscow Film Festival – Vorbericht

Juni 16, 2010


Das Tagebuch der Tour zum Kinostart endete vor einer Woche in Potsdam und Berlin. Das waren die letzten Stationen des Startwochenendes. Die Reise war spannend, anstrengend und gut. Es war eine perfekte Mischung aus Interviews, Publikumsgesprächen und Kontakten mit den Kinobetreibern. Und ein toller Trip durch die Republik mit allen ihren Unterschieden. Obwohl wir großes Pech hatten, dass nach einer langen Schlechtwetterphase der Sommer ausbrach; konnten wir dennoch glücklicherweise feststellen, dass es Kinobesucher gab, die genau diesen unseren Film am ersten Wochenende sehen wollten. Danke! Uns half dabei natürlich sehr, dass die Presse sehr auf unseren Film angesprungen war. Oft fragt man sich, ob Reviews wirklich am Ende für den Kinobesuch etwas bewirken können. Hier konnte man nun aber sehen, dass dies doch eine große Öffentlichkeit und ein „Word Of Mouth“ generieren kann, welche auch zu einem Kinobesuch führt. Na klar kann ich nicht verleugnen, dass ich fast alle Kritiken gelesen habe und wirklich auch glücklich bin, über die vielen sehr guten und ausführlichen Besprechungen! Hier der Link zu einer Auswahl an Reviews zum Film. KLICK. Das ist wirklich auch eine Form der Kommunikation, die man als Filmemacher sucht. Ich jedenfalls; ich kann mich am Kritikerbashing nicht beteiligen. – Gut, es fällt auch nicht schwer , ob der super Kritiken… Aber ich lese auch Verrisse, wenn sie gut geschrieben sind, vielleicht sogar in Momenten Recht haben, dann kann ich sogar über mich selber lachen. Bisher gab es leider fast nur „schlechte“ Verrisse, die oft mit persönlichen Beleidigungen versuchten zu punkten oder sich hinter einem weiblichen Pseudonym versteckten, trotzdem die männliche Eingeschnapptheit sofort sichtbar wurde. Ich warte also noch auf den „Winner der Verisse“…
Es war perfekt für mich, sofort nach der Kinotour dem Stress und der Aufgeregtheit des Kinostartes entfliehen zu können. In New York hatte ich sofort im Anschluss Produktionsbesprechungen für ein neues Projekt, das wir mit Independent Partners Film als Co-Produzenten betreuen. Es passte perfekt, dass zur gleichen Zeit auch das traditionelle „Filmfest Oldenburg Get Together“ in New York stattfand, zu dem Torsten Neumann, mein Partner bei Independent Partners Film und Leiter des Filmfestes Oldenburg, gemeinsam mit John Gallagher, dem New Yorker Delegierten des Festivals, einluden. Auch der zweite Nordamerika-Delegierte Douglas Buck kam aus Montreal, so dass wir schon gemeinsam einige Filme sichten und über das Programm diskutieren konnten. Meine Arbeit als Programmer für das Filmfest macht Spaß, weil man so viele verschiedene Filme sehen kann und sich dazu ins Verhältnis setzen muss, was ich als Filmemacher immer wieder inspirierend finde. Deshalb freut es mich auch sehr, dass ich Ende des Monats beim Filmfest München, zusammen mit wirklich tollen Kollegen, in der Jury des American Indie Newcomer Prize sitze und den Award der Indie-Reihe mit vergeben darf. Hier die Auflistung der nominierten Filme. KLICK. Hier ist auf jeden Fall meine Erfahrung mit den Amerikanischen Indies gefragt, die ich mir durch meine Tätigkeit als Programmer fürs Filmfest Oldenburg aneignen konnte.
Noch ein Nachsatz zu New York. Natürlich ist man stolz, wenn in Reviews Zusammenhänge und Verbindungen zu Filmemachern gemacht werden, die man selber sehr schätzt, deren Filme man als Lieblingsfilme in der Liste führt. So ging es mir zum Beispiel in einigen Kritiken, die dies in Bezug zu Abel Ferrara taten. Genau, als ich einige dieser Besprechungen las, begegnete ich am Abend zufällig, ohne Verabredung, in Little Italy in NY jenem Regisseur. Das war ein wirklich magischer Moment. Wie eine Filmszene. Das ist vielleicht nur in New York möglich. Ich glaube, hier muss man wirklich mal drehen. Irre Stadt – zwischen wahnwitzigem Kapitalismus und Clash der Kulturen im positiven Sinn.
Noch ein Wort zur Frage der digitalen oder analogen Projektion von Bedways im Kino. Man muss konstatieren, dass in den Kinos, in denen man gern läuft, oft noch die 35mm-Technik die einzige ist. Natürlich hat der 35mm-Print den Vorteil, dass, wenn der Projektor einigermaßen lichtstark ist, das Ganze in etwa so aussieht, wie man es im Kopierwerk gesehen hat. Aber da fängt im Zeitalter des digitalen Negatives schon das Problem an, da die wirkliche Farb- und Lichbestimmung nicht mehr im Kopierwerk stattfindet, dort eigentlich nur noch versucht wird, das digital bearbeitete Master wieder neu zu generieren. Das ist der Vorteil einer guten digitalen Projektion: Neben dem perfekten Ton findet man auch ein gestochen scharfes und „crispes“ Bild in genau der Farbe und Helligkeit der originalen digitalen Korrektur. Natürlich nur dann, wenn die Technik auf dem neuesten Stand ist und die Einstellungen im Kino perfekt gewählt sind. Auch die Codierung der Festplatte spielt eine Rolle, ein einheitliches System wäre hier wirklich hilfreich. Einen weiteren Vorteil der digitalen Kopie sehe ich auch darin, dass diese meist im Kino verbleiben kann, nicht sofort, wie die 35mm-Kopie, weiter geschickt werden muss, so dass ein Einsatz zum Beispiel in der Nachtschiene oder am Wochenende besser möglich ist. Somit ein Sleeper-Effekt generiert werden kann.
Heute Abend am Mittwoch bin ich wieder zurück in Berlin. Filmgespräch im Kino Central am Hackeschen Markt in Mitte. Gleichzeitig wird die OmU-Fassung nun gezeigt, um auch nicht deutschsprachigen Kinobesuchern in Berlin den Film möglich zu machen. Im Anschluss an das Filmgespräch geht es wieder zum Flughafen, leider also keine Nacht im eigenen Bett. Aber der Grund der Reise ist toll und führt eben zur Wiederaufnahme des Tourtagebuch-Blogs: BEDWAYS ist Eröffnungsfilm des Wettbewerbes „Perspectives“ des Moscow Interntational Film Festivals. KLICK. Der Flug startet 0.30 Uhr ab Schönefeld. Morgen dann mehr aus der wilden Stadt im Osten, in der ich zum letzen Mal vor 30 Jahren war. Dann mit den Eindrücken von Pressevorführung, Photo Call und Pressekonferenz und natürlich der Eröffnungszeremonie am Donnerstag Abend. Ich versuche, wieder um 2 Uhr nachts online zu gehen! Als Foto des Tages füge ein wild geklebtes Plakat von Bedways aus der Schönhauser Allee in Berlin hinzu.

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