Tourtagebuch Moscow International Film Festival – Tag 3

Juni 20, 2010


Wir haben heute frei. Die Pressevorführung mit anschließender Pressevorführung und Photocall sowie Interviews eröffnete den Bogen, der sich am ersten Tag mit der Galaeröffnung, die wirklich eindrucksvoll und berührend inszeniert war, abschloss. Am zweiten Tag folgte dann unsere Premiere als Eröffnung des Wettbewerbes „Perspectives“ mit dem anschließenden Filmgespräch, das uns in der starken Emotionalität des Publikums wirklich überraschte. Die beiden ersten Tage hinterließen bei uns einen intensiven Eindruck und wir sind sehr froh, das so erlebt zu haben. Wir haben das große Glück, dass wir Ujin kennen lernen konnten, der uns heute eine private Stadtrundfahrt anbietet und uns an Orte und in russische Kreise führt, die uns sonst eher verborgen geblieben wären. Wir können am Abend dann auch fast entspannt Filme der Kollegen schauen, obwohl der Schedule des Festivals sehr ausgedünnt erscheint, es schwierig ist, in den Tagen hier wirklich viele Filme sehen zu können.
Die russische Presse ist ungewöhnlich kritisch gegenüber dem Festival eingestellt und kritisiert den Präsidenten des Festivals Michalkow, der sich „lieber mit seinen Freunden, Politikern und reichen Sponsoren umgeben würde, die Filme nur als Beiwerk für das Event da wären“. Dem kann man nicht wirklich widersprechen, obwohl es in der künstlerischen Leitung des Festivals genau diese Menschen gibt, denen die Filme besonders am Herzen liegen. Weiter wird in der Presse sehr polemisch gegen den Jurypräsidenten Luc Besson geschrieben, der wohl „am Ende seiner Karriere sein muss“, wenn er nun nach Moskau kommen würde. Auch scheint der Ton gegenüber den Filmen aus dem Ausland grundsätzlich eher barsch, die Programmauswahl wird stark angegriffen: „Zu wenig russische Filme!“ Was erzählt das über das Selbstbewusstsein hier? Vielleicht darf man das aber auch nicht überbewerten. Was aber allen Filmemachern auffällt ist die Tatsache, dass während jeder Vorstellung das Publikum eher in einer Konsumhaltung scheint, während der Filme wird grundsätzlich raus- und rein gegangen, lautstark geredet und sofort beim Beginn des Abspannes wird es taghell und fast alle stehen sofort auf und rennen raus.
Und was immer wieder wirklich zu Unmut der Gäste des Filmfestivals führt, sind die unglaublich rüden Methoden von Security, Polizei, Militär, Taxifahrern etc in Moskau. Das geht am Flughafen los, ist in der Stadt permanent und sogar körperlich spürbar. Selbst beim Festival hat die Security mehr zu sagen als jeder Festivalmitarbeiter. Was aber noch mehr verwundert ist, dass sich alle Russen diesem Diktat sofort unterordnen und man auch selber besser beraten ist, den „Befehlen“ Folge zu leisten. Das ergibt manchmal den Eindruck, dass man nicht in Russland willkommen ist, was sehr schade wäre, weil wir wirklich tolle Menschen kennen lernen durften, die uns eine starke Empathie entgegenbrachten, die manchmal so wenig spürbar in der Stadt ist.
Da ist zum Beispiel Evgenia, die unsere Pressekonferenz leitete und auch die mutige Auswahl unseres Filmes als Eröffnungsfilm mitträgt. Yuri, unser Dolmetscher, der uns in seiner professionellen, intelligenten, charmanten und ruhigen Art wunderbar betreut. Andrej vom Filmclub „Cinefantom“, der die Emotionen des Filmgespräches in richtige Bahnen zu lenken weiß, ohne diese zu negieren. Oder eben Ujin, der uns als großzügiger und diskreter Gastgeber sein Moskau zeigt. Und natürlich Sascha im Hotel, der lässig über die Organisationsmängel hinweg sehen lässt. Nicht zu vergessen all diejenigen, die uns mit einer großen Offenheit, Freude und Neugierde entgegen traten und lange Filmgespräche mit uns führten.
So viele sich eigentlich widersprechende Eindrücke in kürzester Zeit… Das Festival wird auf jeden Fall nachwirken. Es war Klasse, dass Miriam Mayet, die Hauptdarstellerin aus „Bedways“, mich begleitete. Denn die positiven Momente machen viel mehr Spaß zusammen, wie auch die negativen leichter zu tragen sind. Am Sonntag dann am Mittag der Rückflug nach Berlin und eine kleine Pause vom Rummel… Das Tourtagebuch wird in einer Woche fortgesetzt. Dann ist die „c/o pop“ in Köln der Schauplatz. Double Special mit der Filmvorführung „Bedways“ und dem Konzert von „Sissimetall“ in der Filmpalette und im King Georg in Köln.

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