Die Medici und das Filmerbe

Oktober 17, 2016

Der folgende Text erschien als 2seitiger Aufsatz in der Ausgabe 42/ 2016 der Zeitschrift ‚Blickpunkt Film‘

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DIE MEDICI UND DAS FILMERBE

Ständig fragen wir uns, warum wir keine besseren Filme machen. Eine der Antworten darauf könnte sein: Ohne Vergangenheit kein Jetzt und auch keine Zukunft. – Wir müssen das Filmerbe retten!

Was ist das eigentlich, das deutsche Filmerbe? Praktisch gesprochen etwa 4,3 Millionen Minuten belichteten Filmmaterials. Das sind hochgerechnet alle in Deutschland erhaltenen Spiel- und Dokumentarfilme, Wochenschauen, Kultur-, Industrie-, Werbe- und Experimentalfilme, die für das Kino entstanden sind. Zu einem großen Teil sind dies Kunstwerke. Aber allen ist gemein, dass sie Träger von Geschichte, Identität und soziologischen Beschreibungen sind – sie enthalten also Schlüssel und Codes zur Erklärung unserer Welt.

Hätten die Medici vor etwa 500 Jahren nicht die umfangreichste Gemälde- und Skulpturen-Sammlung der Renaissance erstellt und bewahrt, dann würden wir schlimmstenfalls noch in der Bilderwelt des Mittelalters leben. Wir wären ärmer um eine der wichtigsten Epochen der europäischen Kunst und Kultur, die einen Hauptteil unserer Identität und internationalen Bedeutung ausmacht.

Das deutsche Filmerbe droht zu verschwinden. Viele Filmwerke sind bereits verloren und es steht ein weiterer spürbarer Verlust bevor, wenn wir jetzt den Hebel ’nicht umschalten‘. Digitalisierung bedeutet einen enormen administrativen und vor allem hohen finanziellen Aufwand. Eine von der FFA beauftragte PWC-Studie errechnet einen Finanzbedarf in Höhe von 474 Mio Euro für die Digitalisierung des deutschen Filmerbes – ein enormer Wert. Der Erhalt der originalen analogen Formate bliebe sogar noch außen vor. Das Filmmaterial würde sogar teilweise nach der Digitalisierung vernichtet werden.

Zurück nach Florenz zu den Medici. Stellen wir uns vor, Botticellis „Die Geburt der Venus“ wäre zwar als perfekter aufwändiger Scan ausgestellt, das Original aber würde im Archiv zerstört werden. Vielleicht hätten die Medici auf die Zukunft vertraut, vielleicht hätten sie das Barbarei genannt. Mit dem analogen Original geht auch immer der sichtbare Existenzbeweis – auch ohne Projektor oder Computer – einher. Aura und Handwerk bleiben spür- und sichtbar und geben Aufschluss über die Vergangenheit, die ins Heute und in die Zukunft wirkt.

Für den Erhalt des deutschen Filmerbes müssen wir sozusagen als Gesellschaft in die Fußstapfen der Medici treten. Die Organisation von Gesellschaft liegt in Deutschland in der Hand von Bund und Ländern. Die notwendigen Gelder müssten also vom Bund und vor allem auch von den Ländern bereitgestellt werden. Natürlich manifestiert sich Gesellschaft nicht nur durch den Staat, sondern auch durch private Initiativen – sprich Mäzenatentum – und eben auch durch uns – die Filmbranche.

Wenn wir mehr tun wollen, als die reine Digitalisierung der vom Verfall bedrohten Analogfilme, dann müssten wir das von der PWC errechnete Budget (474 Mio Euro) auf wohl etwa 600 Mio Euro aufstocken. Gehen wir von einem Zehn-Jahres-Projekt aus: Wenn die BKM 25 Mio Euro jährlich zur Verfügung stellen würde, müssten die Länder dem in gleicher Weise mit jährlich 25 Mio Euro folgen. Dann wären durch private Initiativen und die Filmbranche selbst jährlich 10 Mio Euro aufzubringen. Schon bei der Digitalisierung der Kinos in Deutschland gab es durch das Treuhand-Modell eine gute Möglichkeit, wie sich die Branche aktiv finanziell beteiligen kann.

Doch nicht nur die finanzielle Beteiligung ist gefragt: Wir dürfen uns auf keinen Fall ausruhen, auch wenn die FFA und Deutsche Kinemathek – zusammen mit dem Kinematheksverbund, unterstützt durch die Deutsche Filmakademie – das Thema intensiv bearbeiten. Man muss sich als Filmemacher auch selber fragen: Wo lagern die eigenen Filmoriginale, in welchem Zustand sind sie? Als Branche müssen wir natürlich in die Gesellschaft hineinwirken, ganz konkret in die Politik, um die notwendigen hohen finanziellen Aufwendungen zu erklären und einzufordern.

Bei dieser konkreten Ansprache an die Politiker/innen in den Finanz- und Kulturausschüssen des Bundes und vor allem der Länder kann die bisherige Argumentation erweitert werden: Das Projekt „Erhaltung des Filmerbes“ wird einen weiteren Schub in viele andere Bereiche auslösen – es werden Wissenschaftler und Archivare gebraucht, um das Erbe zu erklären und zu ordnen, in den Schulen kann es ein mögliches Unterrichtsfach „Film/ Medien“ nachhaltig unterstützen, das Archiv kann verstärkt öffentlich sichtbar gemacht und genutzt werden, z. Bsp. bei Festivals, neuen Kinos und natürlich digital im Internet. Kreative Umgangsformen mit dem digitalisierten Material werden sich entwickeln, technisches Know-How und neue Maßstäbe in der Archivarbeit. Das Projekt „Filmerbe“ ist letztlich also auch ein Bildung-, Wissenschafts- und Job-Motor!

Zurück nach Florenz: Das Einzige, was man den Politiker/innen nicht anbieten kann, sind so pompöse Begräbnisse wie die in der Medici-Kapelle. Aber das ist vielleicht auch nicht mehr zeitgemäß. Auf in die Zukunft – zusammen mit dem Filmerbe!

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RP Kahl ist Mitglied im Vorstand der Deutschen Filmakademie und dort zuständig für das Themenfeld „Filmerbe und Digitalisierung“. Derzeit ist der Filmemacher in der Postproduktion seines in Amerika gedrehten neuen Kinofilmes mit dem Arbeitstitel „Desert LA“.


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